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	<title>Wissensverarbeitung (textlinguistisch) - Revision history</title>
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	<updated>2026-05-04T10:01:40Z</updated>
	<subtitle>Revision history for this page on the wiki</subtitle>
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		<id>http://glottopedia.org/index.php?title=Wissensverarbeitung_(textlinguistisch)&amp;diff=5250&amp;oldid=prev</id>
		<title>Luo: aus Schoenke, Textlinguistik-Glossar</title>
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		<updated>2008-01-13T20:42:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;aus Schoenke, Textlinguistik-Glossar&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;New page&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;'''Wissensverarbeitung''' bezieht sich in der [[Textlinguistik]] auf die Gesamtheit der Prozesse in der ''Textproduktion und -rezeption'', durch die im Langzeitgedächtnis gespeicherte Kenntnisse aktiviert und zu Textinformationen in Beziehung gesetzt werden, so dass neu organisierte (integrierte) kognitive Strukturen entstehen (können).&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
=== Kommentare ===&lt;br /&gt;
Durch Berücksichtigung von Forschungsergebnissen der Kognitionswissenschaften, besonders der [[Kognitiven Psychologie]], bleiben textlinguistische Untersuchungen immer weniger auf den [[Text]] selbst beschränkt, sondern werden häufig auf Prozesse der [[Wissensverarbeitung]] in der Produktion und Rezeption von Texten ausgedehnt.&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Teile des im Langzeitgedächtnis gespeicherten [[Wissen]]s können durch Impulse oder Fragen, die von [[Situation]]en, Aufgabenstellungen und [[Text]]en ausgehen, aktiviert werden. Klix sieht eine ''Grundfunktion des menschlichen Gedächtnisses'' darin, dass es Fragen beantworten kann, indem es [[Wissen]] bereitstellt oder dazu anregt, ''Fremdgedächtnisse'' zu benutzen (Klix 1984: 9 f). Die Aktivierung des entsprechenden [[Wissen]]s kann nach Klix entweder unmittelbar angeregt werden oder mittelbar über Suchprozesse durch Vergleichen (mit dem Feststellen von Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Ähnlichkeiten), durch Schließen und [[Inferieren]]; bei komplexen kognitiven Prozeduren sei eine Kombination beider Aktivierungsarten anzunehmen (11, 68 f).&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
In der [[Textrezeption]] kann die Aktivierung des (im Langzeitgedächtnis gespeicherten) [[Wissen]]s durch verschiedene Textelemente, z. B. durch [[Proposition]]en, aber auch durch einzelne Ausdrücke ausgelöst werden, vorausgesetzt, Aufmerksamkeit, Interesse und Motivation ermöglichen diese Aktivierungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*''Jeder Verstehensprozess setzt [. . .] Hörer-Aktivitäten voraus, erweist sich somit als aktiver fortlaufender '''Konstruktionsprozess''' (nicht nur als Re-Konstruktionsprozess) des Hörers, bei dem die durch einen Text in seinem Bewusstsein aktivierten Bedeutungseinheiten mit zusätzlichen Wissenselementen aus einem bei ihm gleichfalls aktivierten globalen Muster verknüpft werden; in der Regel wird ein Text erst auf der Grundlage eines solchen komplexen Konstruktionsprozesses wirklich verstanden'' (Heinemann &amp;amp; Viehweger 1991: 74).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teile des [[(Vor-)Wissen]]s werden nicht nur durch explizite Textinformationen aktiviert, sondern auch durch Implizites. Linke und Nussbaumer (2000) erklären, dass der größte Teil des [[Text]]es (als ''Sinnkomplex'') implizit ist. Sie unterscheiden bei den [[Konzept]]en des Impliziten konventionell festgelegtes Implizites (z. B. [[Präsupposition]]en) von verwendungsvariablem Impliziten (z. B. [[Konversationsimplikatur]]en). Linke und Nussbaumer bezeichnen Implizitheit als textsortenspezifisches Merkmal und weisen auf Unterschiede z. B. zwischen lyrischen und Gesetzestexten hin, aber auch auf implizite Informationen in Arbeitszeugnissen. Eine Aktivierung des [[Vorwissen]]s, die bei impliziten Textinformationen nicht unmittelbar ausgelöst wird, kann hier durch Suchprozesse angeregt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die [[Textproduktion]] muss in der Planung, in der sprachlich-linearen Realisierung und bei der Überarbeitung [[Wissen]] unterschiedlicher Art aktiviert werden ([[Handlungswissen]], [[Sprachwissen]], Sachwissen) (vgl. Heinemann &amp;amp; Viehweger 1991: 93 ff, 113). Das geschieht in der mündlichen Sprachverwendung relativ spontan und weniger reflektiert als bei schriftlichen [[Text]]en. Wenn hier während der (vorläufigen globalen und endgültigen detaillierten) Planung eines kohärenten [[Text]]es Wissenslücken entdeckt werden, muss entschieden werden, ob bzw. wie diese ''gefüllt'' werden können (z. T. auch durch Nutzung von ''Fremdgedächtnissen'', vgl. Klix 1984: 9 f).&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Entscheidungsprozesse bei der Auswahl und Anordnung des (verarbeiteten) Sachwissens sind in der [[Textproduktion]] eng verknüpft mit der Verarbeitung des [[Sprachwissen]]s (bis hin zu Formulierungsentscheidungen) und mit der Verarbeitung des [[Handlungswissen]]s (z. B. bei der Berücksichtigung antizipierter Adressaten).&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Eine tatsächliche ''Verarbeitung'' des [[Wissen]]s ist erst dann erreicht, wenn (bei Berücksichtigung globaler [[Textmuster]]) das Endprodukt [[Text]] in der thematisch oder inhaltlichen Entwicklung eigene Antworten der Schreibenden auf selbstgestellte Fragen gibt (und nicht nur aus einer Aneinanderreihung des [[Wissen]]s aus ''Fremdgedächtnissen'' besteht); das gilt für die Produktion wissenschaftlicher Texte in stärkerem Ausmaß als z. B. für Geschäftsbriefe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Textproduktion]] können (wie in der [[Textrezeption]]) durch Aktivierung und Verarbeitung vorhandenen (und über Fragen ergänzten) [[Wissen]]s neue [[Wissensstruktur]]en gebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Siehe auch===    &lt;br /&gt;
[[inferieren]], [[rezeptive Textverarbeitung]], [[Textproduktion]], [[Wissen]], [[Wissenssystem]]e, [[Konzept]], [[Schema]], [[Rahmen]], [[mentale Textrepräsentation]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Link===&lt;br /&gt;
Eva Schoenke, [http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/tlgl/tlgldl11.html#Wissensverarbeitung Textlinguistik-Glossar]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
*[[Heinemann, Wolfgang]] &amp;amp; [[Dieter Viehweger]]. 1991. ''Textlinguistik. Eine Einführung (= Reihe Germanistische Linguistik 115).'' Tübingen: Niemeyer.&lt;br /&gt;
*Klix, Friedhart. 1984. Über Wissensrepräsentation im menschlichen Gedächtnis. In: Klix, Friedhart (Hrsg.). Gedächtnis - Wissen - Wissensnutzung. Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften: 9-73.&lt;br /&gt;
*Linke, Angelika &amp;amp; Nussbaumer, Markus. 2000. Konzepte des Impliziten: Präsuppositionen und Implikaturen. In ''Text- und Gesprächslinguistik / Linguistics of Text and Conversation. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung / An International Handbook of Contemporary Research 1. Halbbd. / Volume 1.'' Brinker, Klaus u. a. (Hrsg.), 435-448.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{wb}}&lt;br /&gt;
[[Category:Discourse]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Luo</name></author>
		
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